Jürgen Ringmann

Photography

my travel book

/// Fotoreise Hamburg

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Ursprünglich war Anfang September 2021 eine Fotoreise nach Namibia geplant, auf die ich mich schon seit fast einem Jahr vorbereitet und gefreut hatte. Corona bedingt, wurde die Reise vernünftigerweise storniert. Für mich, die richtige Entscheidung Seitens des Veranstalters, da sich die Covid Situation im Land nicht verbesserte. So entschied ich mich alternativ eine kleine Reise im eigenen Land zu machen, auf nach Hamburg. Beinahe 30 Jahre ist es her, das ich das letzte Mal dort war. Es war rundum ein großartiges Erlebnis. Freunde zu besuchen und wie sollte es anders sein, mit der Kamera an meiner Seite die Stadt zu erkunden. 

Auch wenn schon unzählige Male fotografiert, für mich war es das erste Mal dort auf der Poggenmühlenbrücke zu stehen um das berühmte Wasserschloss in der Speicherstadt zur blauen Stunde abzulichten. Der größte historische Lagerhauskomplex der Welt, findet sich im Hamburger Hafen und steht seit 1991 wie viele andere Bauwerke der Stadt unter Denkmalschutz des UNESCO-Welterbes.

                                                                              

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Da gibt es die beeindruckende Elbphilharmoie, die schon von weitem aus allen Himmelsrichtungen imposant dominiert. Je näher man kommt, desto beeindruckender ihre Wirkung. In ihrer einzigartigen Architektur überzeugt sie ausgefallen und modern.

Unzählige Mal fotografiert, empfand ich es als wirklich spannend, einen Standort zu finden, mit dem ich die Elbphilharmoie für mich verewigen wollte. So kam mir in den Sinn, von der gegenüberliegenden Seite der Nordelbe aus, zum Sonnenuntergang mein Bild mit einem 70-200mm zu machen. Eine der Möglichkeiten auf die andere Elbseite zu gelangen, besteht an den St. Pauli-Landungsbrücken den alten Elbtunnel mit einer Länge von 426,5m, zu durchqueren. Mittlerweile nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar. Man erreicht am anderen Ende die Elbinsel Steinwerder, die auch mit einer Fähre zu erreichen ist, die zwischen den Uferseiten, hin und her pendelt.

Dann musste ich jedoch schnell feststellen, dass von der Uferseite, direkt am Ausgangs des Elbtunnels, mir der Blick auf die Elbphilharmonie zwar gefiel, mich jedoch für ein Foto nicht überzeugte. So versuchte ich großräumig umlaufend, nach einer anderen Zugangsmöglichkeit am Ufer. Es scheint da wohl noch die Möglichkeit zu geben, vom Stage Theater, wo auch das Musical “König der Löwen“ aufgeführt wird, aus zu fotografieren. Leider war dort, auch Corona bedingt, der der Zugang gesperrt.
So entschied ich, wieder auf die andere Elbseite zurück zu gehen und zu schauen, dass ich wenigstens noch auf die Plaza der Elphilharmnie kam, die mir einen abendlichen Rundumblick auf den Hafen und Ihre City aus 37 Metern Höhe gestattete. Hierfür buchte ich direkt Online 2 einzelne Tickets (jeweils 1 Stunde) welches mir erlaubte noch am selben Tag von 20:00 – 22:00 auf der Plattform zu verweilen.

Ein herrlicher Blick auf die Hafencity, auch wenn die Sonne schon kurz vor 20:00 untergegangen war, belohnte mich und mein Fotografenherz. Klasse auch, dass hier das Fotografieren vom Stativ aus kein Thema war. Das kennt man ja auch anders. Ich blieb bis zum Schluss, nur noch einige wenige Menschen teilten diesen abendlichen Anblick mit. Auch wenn ich wegen der Dunkelheit nach 21:00 entschied kein Bild mehr zu machen, genoss ich weiterhin meine Zeit dort oben. Die Ruhe und diese anmutige Stimmung bei wirklich angenehmen Temperaturen, wollte kein Ende nehmen. Mein Bild hatte ich auf jeden Fall bereits auf dem Chip.

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Mein Vorhaben vom Tag zuvor, die Elbphilharmonie abzulichten, ging mir natürlich nicht aus dem Sinn.

Unweit meiner Unterkunft liegen die Magellan-Terrassen der Speicherstadt Hamburgs. Von dort aus führt einen der Blick durch den sehr schön angelegten Traditionsschiffhafen, rechts und linksseitig verlaufend schlendert es sich vorbei an moderner Architektur mit typischer Hafenatmosphäre, direkt auf die Elphilharmonie zu. In der Hoffnung das das Morgenlicht die Elphilharmonie ins recht Licht rückt, plante ich bereits am Vorabend zur hiesigen Uferpromenade zu gehen. Schlauerweise hatte ich meine Frühstückszeit auf 9:30 gelegt, somit war ich zeitlich recht frei und konnte das frühe Licht für meine Bildgestaltung nutzen.

Also, um 5:00 raus…zu Fuß waren es knapp 15 Minuten….Standort wählen, Stativ aufbauen und Kamera ausrichten. Ein, zwei Probeschüsse und nun einfach geduldig auf das Licht warten, was sich mit dem Beginn der noch nicht aufgehenden Sonne, immer mehr als echten Gewinn entpuppte. Herrlich hier in dieser Herrgottsfrühe zu verweilen, mit der Umgebung und der Lichtstimmung im Einklang. So konnte ich in aller Ruhe noch vor Sonnenaufgang, während der blauen Stunde, mein Wunschbild einzufangen.

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Früh am morgen war ich unterwegs um das Spiegelhaus abzulichten. Da fiel mir der Fotograf auf, unter der Oberhafenbrücke stehen, seine Aufnahmen mit Stativ aus machend. Giovanni Mafrici ( http://giovannimafrici.com/ ).

Interessiert wie ich war, ging ich auf ihn zu und sprach ihn an. Sogleich hatte ich Gelegenheit einem professionellen Fotografen bei seiner Auftragsarbeit zuzuschauen. Hintergrund seiner Arbeit war, viele Bilder in gewissen kleineren Zeitabständen aus selbiger Perspektive unverrückt, aufzunehmen. Da sich aber der Sonnenstand minütlich änderte, brachte auch der Lichteinfall einen ständig versetzten Schattenwurf mit sich. Eine zusätzliche Herausforderung ergab sich, die viel befahrene unterführende Straße, ohne Autos, Mopeds, Fahrräder, Roller oder auch Personen im Bild aufzunehmen. Dazu kam, dass oberhalb der Brücke eine Trasse für DB Zugverkehr liegt, die durch die ständig überfahrenden Züge erhebliche Schwingungen für das Ablichten mit längerer Belichtung mit sich brachte. Alle Bilder als Videosequenz aneinandergereiht, waren für einen Videoclip gedacht, zu sehen, wie Licht und Schatten ihr Spiel treiben.

Raffiniert!!! Ich war begeistert und bedanke mich für den tollen Einblick und den interessanten Austausch. Wieder habe ich etwas tolles dazu gelernt, eine Sichtweise, die ich selbst so noch nie vor Augen hatte. Danke an Dich Giovanni, für die sehr angenehme und aufschlussreiche Begegnung. Bis zum nächsten mal in Hamburg!!!

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So bin ich dann ein zweites mal zur Oberhafenbrücke gegangen, um zu schauen ob nun dieser frühe Morgen die Spiegelzentrale samt anliegender Gebäude ins rechte Licht rückt. Denn beim ersten Mal war ich etwas spät, die Sonne stand schon zu hoch.

Äußerst rechts liegend, sieht man noch etwas von den „Deichtorhallen / das Haus der Photografie“, nach links etwas zurückliegend, findet sich der Sitz von „alesso SE“. Weiter Links verlaufend neben dem Spiegelhaus an der Ericuspromenade, befindet sich die „Frankfurt School & Finance“ und die „Chanel Academy“. Davor sieht man das alte Zollhaus, in schönen Backstein errichtet, was an die Brooktorpromenade grenzt.

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Mein Bummel durch das schöne Hamburg, brachte neben schönstem Wetter etliche Fotogelegenheiten mit, die ich bewusst vorauswählte aber auch spontan ergriff. Unzählige Motive sind zu entdecken, so wie es der Zufall wollte, als ich im Hamburger Stadtteil Neustadt zwischen Jungfernstieg und Axel-Springer-Platz unterwegs war.

Idealerweise zu Fuß, oder auch nach Bedarf kurzum mit einem der vielen E-Scooter oder –Bikes, die sich per entsprechender App kurzerhand freischalten lassen. Schön wenn man da mal einige Kilometer, nicht mit schwerem Fotogepäck herum laufen muss. Denn ich kann es einfach nicht lassen ohne flexibles Fotogepäck gut gerüstet unterwegs zu sein. Dazu zählen zwei Bodys, meist drei Objektive, Filter, einiges an Kleinzeug und in der Regel nie ohne Stativ, Somit bin ich gefordert einiges an Gewicht zu bewegen. Hintergrund ist auch, da ich meist den ganzen Tag unterwegs bin, wünsche ich mir für die unterschiedlichsten Situationen meine technische Flexibilität.

Entlang auf den Grossen Bleichen findet sich genügend an ansehnlicher Architektur, die das Auge erfreut. Gebäude allerdings in Ihrer Gesamtheit fotografisch zu erfassen, erfordern neben nötigen Raum auch die passende Brennweite und im Idealfall vielleicht sogar ein Tilt-und-Shift-Objektiv, um am Ende eine korrekte Darstellung des Bildformates zu erzielen. Hat man so etwas nicht zur Hand, schaut man sich anderweitig um. So kam ich an dem Gebäude der 1871 auf Initiative von Otto Hübner gegründeten Hypothekenbank vorbei. Der eher unscheinbar wirkende Eingang machte neugierig, als ich den interessant gekachelten Bodenbelag sah der ins innere führte. Betritt man das Foyer, begeistert ein ansehnlich aufwendig gefliester Fußboden. Versehen mit feinen Kacheln unterschiedlicher Ornamente, die schon in die Jahre gekommenen sind und den Boden von daher in leicht geblassten Schwarz und bräunlich Cremefarben schmücken.

Meine Neugier ist geweckt und ich trete ein in diese feudale und historische Oase, die für mich eine Meisterleistung an Innenraumgestaltung und an der Auswahl der Materialien sprachlos überzeugt. Selbst der nachträglich modernisierte Aufzug ist auffallend passend in das eindrucksvolle Ambiente integriert. Hier bin ich mehr als begeistert und verspüre das unbändige Gefühl, meinen Eindruck abzulichten, und mit nach Hause zu nehmen.
Gleich beim Betreten des Vorflurs, entdecke ich einen Portier, der hier Kommende und Gehende in Augenschein nimmt, ihnen beim Betreten beziehungsweise Verlassen des Gebäudes behilflich ist und ganz sicher auch Auskünfte erteilt.

Mein Interesse an diesem Haus ließ sich nicht verbergen. So fragte ich und schon sprudelt die Geschichte zum Gebäude aus seinem Munde. Abschließend nun noch meine Frage, ob es gestattet wäre, dieses beeindruckende Foyer in seiner ganzen Pracht ablichten zu dürfen. Einige Sekunden der Überlegung entsprangen seinem Gesicht, entpuppte sich dann, Glücklicherweise als ein klares „Ja“. Was ich noch nicht erwähnt hatte, der Boden im Eingangsbereich war mit einem grauen Läufer ausgelegt. Um den Fliesen nicht noch mehr abzuverlangen, bedeckte ein grauer Läufer, gute 4,00m x 2,50m im Format, die ohnehin in der Vergangenheit schon vielbetretenen Boden. Meine Bitte, diesen Läufer für den Moment der Aufnahme zusammenzurollen, löste beim Portier im ersten Moment nicht unbedingt eine spontane Begeisterung aus. Ich erläuterte, Bildwirkung und Pracht des Treppenhauses würden durch diesen Läufer quasi ruiniert. Das überzeugte Ihn, und er lies mich uneingeschränkt walten. So baute ich Stativ und Kamera auf und fand meinen idealen Standpunkt. Am Ende war ich überglücklich. Einerseits ein wunderbares Erlebnis mit einem sehr freundlichen Menschen, der mir das überhaupt erst ermöglichte, vielen Dank an den Portier. Andererseits bin ich so angetan, weil ich meinen Eindruck mit eignem Bild mit nach Hause nehmen durfte.

Nachwort: Nachdem hier die Bank ihre Geschäftsinteressen einstellte, entstand im Haus die Brasserie & Bar „DIE BANK“. Leider musste jedoch das Unternehmen während der ersten pandemiebedingten Schließung im Frühjahr 2020 seinen Insolvenzantrag stellen, was das endgültige Aus bedeutete.

 
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Überall findet sich in Hamburg ansehnliche und kunstvolle Architektur,  so wie den Sprinkenhof, hier einmal mit Blick nach Oben. Das neunstöckige Kontorhaus im Stil des Backsteinexpressionismus und Teil des Hamburger Kontorhausviertels wurde in drei Bauabschnitten von den Bauherren Hans und Oskar Gerson und Fritz Högerin von 1927 bis 1943 erbaut.

Ohnehin eine wahrlich gelungene Architektur. Besonders beeindruckt hat mich ich die außergewöhnliche Fassade des gesamten Gebäudekomplexes.

 
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Auffällig empfand ich es, dass in Hamburg unzählige mit dem Fahrrad und E-Rollern unterwegs sind. Es trifft sicher zu, dass rund um Hamburg die Autobahnen oft dicht sind, jedoch in Hamburg selbst hatte ich selbst eher das Gefühl, eine Verkehrsdichte, wie ich sie in den Städten des Ruhrgebiets erlebe, um einiges gedämpfter wahrnehme. Mobilität, Freizeit oder Gesundheit, das Fahrrad liegt seit der Pandemie wieder voll im Trend.

Nahe meiner Unterkunft findet sich die Neuerwegsbrücke, die durch den Lichteinfall der Mittagssonne einen schönen Schattenwurf mit sich brachte. Dazu passend die vielen Fahrräder im Bild. Für mich ein passendes Motiv für den heutigen Thementag. Für diese Aufnahme, sie vordergründig ohne Menschen abzulichten, benötigte ich meine Zeit. Ständig liefen Menschen über die Brücke hin und her, oder Sie verweilten am Ende der Brücke etliche Minuten vor einer Informationstafel und passten für mich so gar nicht in mein Bild. Gerne hätte ich auch auf das Auto verzichten können, was jedoch einen schönen Kontrast zu den in der Überzahl befindlichen nicht motorisierten Fortbewegungsmitteln ergibt.

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Zum höchsten Sonnenstand Outdoor zu fotografieren, ist es bekanntlich eine kleine Herausforderung, da grelles Licht bei etlichen Motiven einfach jegliche Kontraste schwinden und Farben eher verblassen lässt. Nicht jedoch wenn es wie hier um Indoor Fotografie geht.

So kam mir der Gedanke, als ich im Vorübergehen diesen Einblick in die Räumlichkeiten eines Teppichhändlers erhaschte, diesen reizvollen Blick, der geradewegs durch den Raum auf der anderen Seite wieder hinaus auf die gegenüberliegende Fassade eines weiteren Lagerhauses führte, einzufangen. Ich freute mich, es wurde mir vom Inhaber gestattet zu fotografieren.

Unweit meiner Unterkunft in der Speicherstadt besuchte ich das Nikolaifleet.  Von meinem Standpunkt aus, auf der „Holzbrücke“, führt einen der Blick entlang des Wasserweges, vorbei an historischer wie auch neuerer Architektur, bis auf die Elphilharmonie zu.

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