Jürgen Ringmann

Photography
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Jürgen Ringmann /// Fotoreise

Vorwort:

In Anbetracht der schon seit Anfang des letzten Jahres Weltüberrollenden Corona Pandemie, ist Brasilien besonders stark betroffen. In kaum einem anderen Land wütet die Infektionskrankheit so heftig wie hier. Mittlerweile, Stand 04.04.2021, verzeichnet das Land 12.953.597 Infizierte, und 7.500.000 Genesene. Leider sind jedoch auch im Zusammenhang mit Covid-19, 330.193 Todesfälle zu beklagen.

Brasilien ist weiterhin als Risikogebiet eingestuft und setzt dem Land und ihren Menschen extrem zu. Die Lebens- und Versorgungsbedingungen haben sich dramatisch verschlechtert. Nicht nur das die Arbeitslosigkeit schwer zugenommen hat, ganz besonders verschlimmert hat sich vielerorts auch die Lage in den Krankhäusern. Der mittlerweile so dringend benötigte Sauerstoff, wie auch die Intensivbettenkapazitäten, erschöpfen sich auf das Schlimmste. 

Mein größter Wunsch für dieses Land mit ihren Menschen, ist schnellstmögliche Linderung und die Überwindung dieser Pandemie, um schon bald wieder ihre lebensbejahende Einstellung zurück zu gewinnen. Damit verbunden sind die Hoffnungen, irgendwann auch wieder dieses Traumhafte Land mit seinen so gastfreundschaftlichen Menschen bereisen zu können.

                                                                                         by frank billand 

Das für mich so beeindruckende Land mit ihren herzlichen Menschen hat mich wirklich gefesselt und stark begeistert. Für  mich, als Indien- und Asienreisender, hat sich mit diesem Erlebnis ein völlig neuer Reisehimmel aufgetan und mir das Tor für weitere Reisen nach Brasilien, überhaupt Südamerika, eröffnet. Unter der Schirmherrschaft einer deutschen Reiseagentur war die ganze Reise, die mit 8 ambitionierten Hobbyfotografen besetzt war, bestens von A-Z durchorganisiert. Fotografisch federführend  hat uns der bekannte Fotograf und Coach Gunther Wegner,  auf dieser Reise mit seinem Talent und Fotografischen Knowhow begleitet.

Für mich hat sich mit dieser Reise ein langersehnter Wunsch, einmal im Leben Gast in Brasilien sein zu dürfen, erfüllt. Darüber hinaus bin ich mit großartigen Eindrücken und außergewöhnlichen Erlebnissen beschenkt worden. Sehenswerte und eindrucksvolle Stationen haben unsere Reiseroute so unterschiedlich wie vielschichtig werden lassen. Die Unterkünfte waren allesamt sauber und einladend, die Brasilianische Küche unglaublich schmackhaft und zudem aufgrund der verschiedenen Regionen die wir besucht haben, sehr abwechslungsreich. Alle Inlandsflüge haben wir unbeschwert erlebt und unsere Ziele immer sicher erreicht.

Zur Seite stand uns ein persönlicher Guide, der Brasilianer Rodrigo Engel. Auf engagierte und souveräne Weise hat er uns sicher, kundig und wohlbehalten durchs Land begleitet, geführt und mit allem nötigsten an Informationen und Abwicklungen vor Ort versorgt. Alle anderen Guides wirkten erfahren und informierten uns mit allerlei Hintergrund Wissen über Land, Flora und Fauna und natürlich seinen herzlichen Menschen. Gunther stand uns mit seiner sehr umgänglichen und angenehmen Art und Weise und mit all seinem Fachwissen bestens zur Seite, was mich durchweg beflügelt hat. Mit Begeisterung konnte ich vieles an neuen fotografischen Erkenntnissen mitnehmen, die meine Sichtweise und das Verständnis für die Fotografie nachhaltig  geschärft haben.

Reiseroute: Rio De Janeiro, Salvador de Bahia, Jalapão Nationalpark, São Luís, Lençóis Maranhenses, Pantanal und Ilha Grande.

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Unterwegs in den Strassen und Gassen von Rio de Janeiro wird einem so richtig bewusst, die Menschen leben und bewegen sich in mit einer außergewöhnlichen Lebendigkeit und Lebensfreude, die geradezu typisch und überall in Lateinamerika zu Hause ist. 

Was für uns so exotisch erscheint, gehört hier einfach zur Lebensart und -Weise dazu. Die Menschen sind Fremden gegenüber sehr offen und lassen sich ebenso gerne fotografieren.

Die Felsformationen Pedra Furada im Jalapão Nationalpark, in der Mikroregion Jalapão im Osten von Tocantins, waren für unsere Fototruppe das abendliche Ziel, welches wir noch vor Sonnenuntergang gerne erreichen wollten. Die Region in der wir uns für einige Tage bewegten, war hauptsächlich über sandige Straßen zu erreichen. Das fortbewegen mit unseren drei Jeeps brauchte von daher seine Zeit, bedenkt man, dass wir gut 1100 km in den 3-4 Tagen zurücklegten.

Am Ziel angekommen, ging es in einem unbeschwerten Fußmarsch hinauf auf den Pedra Furada, den riesigen Sandsteinfelsen der seit tausenden von Jahren durch Wind und Regen geformt, mit seinem ungewöhnlichen Torbogen beeindruckt. Von hier oben aus wurden wir mit traumhafter Kulisse und sagenhaften Blick in die Ferne belohnt. In einigen Kilometern Entfernung ließen sich riesige Tafelberge mit ins Panorama einbeziehen. Wunderschön, was sich hier einem offenbarte. Dass wir das nach einem langen Tag alles zeitlich so hinbekommen hatten, ist hier bei diesen Entfernungen sicher keine Selbstverständlichkeit. Den Sonnenuntergang von hier oben aus mitzuerleben war von daher für uns wirklich etwas ganz besonderes.

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Von der Pedra Furada aus, ging es am nächsten Tag in die traumhafte Dünenwelt im Jalapão Naturschutzgebiet, inmitten des größten Regenwalds unseres Planeten.

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Entlang hinauf, hatte man ein Seil zur Sicherung für einen erleichternden Aufstieg angebracht. Für diese Erkletterung der reinste Willkommensgruß. Was unten an der Düne noch recht leicht aussah, erschwerte sich mit jedem Schritt im tiefen Sand aufwärts. Viel anstrengender als gedacht, wurde mir schnell bewusst welches Gewicht ich hätte einsparen können. Mein 14mm mit 671 g oder mein 70-200mm mit 1.470 g, nein unmöglich, die beiden Brennweiten mussten auf jeden Fall samt Stativ mit. Es war am Ende das 24-70mm, was völlig und zu recht, entbehrlich gewesen wäre. Doch dafür war es zu spät, ich war bereits im Aufstieg. Körpergewicht ist das eine was es zu bewegen gilt, ein gewichtiger Rucksack das andere. Der Weg bis hin zum eigentlichen Foto erfordert oft die meiste Kraft und während des Fotografierens verblassen dann in Windeseile alle vorangegangenen Beschwerlichkeiten. Rasch stellt Freude und Leidenschaft das völlige außer Atem sein mühelos in den Schatten und die Schwere meines Equipments, um die ich während der letzten 10 Tage in Brasilien nicht wirklich herum kam, verblasste lässig immer wieder aufs Neue.

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Oben angekommen tat sich vor mir eine für mich unvorstellbare wie weitläufige Wüstenlandschaft auf. In der Ferne erblickte ich einige mit Regenwasser gefüllte Seen, die eigentlich hier nicht hin gehören konnten. Zumindest hatte ich weder je so etwas vorher zu Gesicht bekommen, geschweige denn davon gehört. Das einzige was ich zu Gesicht bekam, war eine unglaubliche Helligkeit. Die Sonne, das mich blendende Licht, schlug mit ihrer ganzen erbarmungslosen Kraft auf mich ein. Es war mir unmöglich, die Augen länger aufzuhalten um wirklich etwas in Ruhe erkennen zu können. Ohne auch nur im Geringsten daran zu zweifeln, suchte ich nach meiner Sonnenbrille, dies allerdings vergeblich. Spontan wie ich bin, lies ich meinen Rucksack bei meiner Gruppe und rannte um ein vielfaches schneller durch den Sand den Hügel hinunter. Was für ein Spaß das war, ohne daran zu denken, dass ich da auch gleich wieder hinauf musste.

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Die Sandwüste Lençóis Maranhenses erstreckt sich über ein 1550 km² ausgedehntes Dünengebiet, seit den 1980er Jahren zum Nationalpark erklärt, welches sich im Norden Brasiliens, angrenzend an den Bundesstaats Maranhão, befindet. Es liegt an der Grenze des Bundesstaats Maranhão.

Welch ein Balsam für die Seele. Auf der Westseite ging die Sonne unter und hüllte die zur Regenzeit mit viel Wasser gefüllten Süßwasserseen in bemerkenswertes Licht. Östlich dagegen, stand der Mond, angestrahlt von der untergehenden Sonne, in seiner ganzen Pracht zum greifen nah.

Das leider die Reise auch einen negativen Beigeschmack hatte, muss ich unbedingt hier erwähnen. Die Abrodung des Regenwaldes und die Vernichtung von Naturlandschaft und Lebensraum ist überall in Brasilien deutlich spürbar. Das mit eigenen Augen zu erleben, wie die Brandrodung sich Platz schafft um Anbauflächen für Soja und Mais zu erzwingen, ist traurig und schmerzhaft zugleich.

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Das traditionelle Leben in den unendlichen Weiten des Jalapão Nationalpark zu streifen, war für mich ein Abenteuer. Hier erlebte ich einmal mehr wie bescheiden das Leben auf dem Land und die Lebensfreude umso spürbarer ist. Die Offenheit, hier Bilder machen zu dürfen, wie auch Gastfreundschaft uns Fremden gegenüber hat mich schwer beeindruckt.

Von weitem entdeckten wir aus dem Jeep heraus, eine Gruppe reitender Gauchos, einfach übersetzt, Rinderhirten, die auf ihrem Weg nach Hause zu sein schienen. Langsam und bedacht näherten wir uns ihnen. Auf ihrer Höhe angekommen, begrüßten sie uns gleich mit ihrer temperamentvollen und lebendigen Art, was wir umgehend erwiderten. Das hochhalten meiner Kamera signalisierte ihnen meine Frage, ob ich sie fotografieren dürfte. Ich denke die Bilder sprechen ein deutliche Sprache und dokumentieren ihre Einstellung Fremden gegenüber. 

Bei hohen Temperaturen sucht irgendwie ein jeder, ob Mensch oder Tier, nach Abkühlung. So wie es uns hier der Amazonenpapagei vormacht, bei fast 40 Grad, gesehen im Pantanal.

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Zum Sonnenuntergang mit dem Boot unterwegs auf dem Rio Mutum, ein Fluss des Bundesstaates Mato Grosso im Westen Brasiliens. 

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weitere Impressionen folgen......